do not mention the war

Verquickungen und Verstrickungen

In Britain, England, Germany, History, Identity, Literature on July 8, 2011 at 14:40

Dieser Tage oder besser gestern sahen wir einen Turm straucheln. Rupert Murdoch sah sich gezwungen sein bestes Pferd im Stall, die News of the World, die führende Sonntagszeitung in Großbritannien zu schließen. Der Grund oder die Gründe? Leitende Angestellte und Journalisten haben sich Zugang verschafft zu den Mailboxen von etlichen Mobiltelefonen britischer Personen, darunter unter anderem Hugh Grant und Sienna Miller.

Besonders pervers wurde es als sich heraustellte, dass diese “Journalisten” sich in das Handy eines Mordopfers einloggten und Nachrichten löschten (und damit die Polizeiarbeit erschwerten, bzw behinderten) sowie den Angehörigen von gefallenen Soldaten und den Opfern der Anschläge vom 7. Juli 2005 nachsetzten. Das ist sicher nicht die feine englische Art wie man zu sagen pflegt in Deutschland. Eher ist es die perfideste und böswilligste Art von Journalismus und man sollte Abstand nehmen, es Journalismus zu nennen. Es ist eine Perversion. Die Personen, die dafür verantwortlich sind, wurden beziehungsweise werden zur Rechenschaft gezogen, soviel steht fest. Dennoch, die Hauptschuldigen kommen ungeschoren davon. Und dies sind Rupert Murdoch und sein Sohn James, Rebecca Brooks und David Cameron. Niemand wird sich an Murdoch herantrauen und ihn verhaften, zu groß ist seine Macht und sein Einfluss in Großbritannien. Der Oppositionsführer Ed Milliband verlangte, dass Rebecca Brooks zurücktrete. Den Teufel wird sie tun. Entweder man feuert sie, dann wäre aber auch eine saftige Abfindung erforderlich; fraglich allerdings wofür. Also wird sie im Sattel bleiben und den Sturm aussitzen. Die Leidtragenden sind die derzeit Angestellten bei News of the World, denn der Laden wird dicht gemacht. Yup, aus, vorbei und der letzte macht das Licht aus! Nach 168 Jahren. Die Geschichte der News of the World erinnert sehr an Maj Sjöwalls und Per Wahlöös Roman “Und die Großen lässt man laufen” von 1972.

Gefährlich wird es für David Cameron. Denn zu offensichtlich war er mit den Murdoch und Co. und News International eine Liaison eingegangen, die ihn in die 10 Downing Street spülte. Sein Presse- und Medienchef Andy Coulson war Chefredakteur der News of the World just als dort die Telefonknackerei in vollem Gang war. Er musste Anfang des Jahres seinen Hut nehmen, zu offensichtlich war seine Verstrickung in diese Affäre. Cameron wusste davon, denn er wurde vor den Wahlen gewarnt, mehrfach. Und er hat alle Warnungen ignoriert. Deshalb könnte es für ihn jetzt eng werden, wenn nicht gar vollends den Bach runtergehen. Das hängt sicher auch davon ab, wie weiterhin veröffentlicht wird und ob Coulson verurteilt wird.

Das Beispiel News of the World sollte eine Warnung sein für alle, die sich eng mit Zeitungen eines gewissen Schlages einlassen, eventuell zu eng. Das Szenario könnte sich in Deutschland wiederholen unter ähnlichen Vorzeichen. Angenommen “Reporter” der Bild Zeitung würden sich in die Telefondaten von S21-Gegnern einklinken und diese uunter Umständen an die Polizei weiterleiten, beziehungsweise die Polizei wüsste es, unternähme aber nichts. Okay, der Vergleich hinkt weil es keinen vergleichbaren Fall in Deutschland gab, bisher. Dennoch sollte das Beispiel warnend wirken und einer Verquickung von Politik und Medien entgegenwirken.

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